Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

SPORTPOLITIK

teilnehmenden Kommunen an, im Durchschnitt 14 % der Hallenbäder schließen zu müssen, sollte keine schnelle (Teil-)Sanierung erfolgen. Noch höher sind die Zahlen bei Eissporthallen (15 %) und Freibädern (16 %), während Sporthallen und Sportplätze nur zu 6 bzw. 3 % von Schließungen betroffen sind.“ Ursächlich hierfür seien vor allem die energetischen und technischen Investitionsrückstände verbunden mit steigenden Energie- und Betriebskosten. Nichtsdestotrotz scheint der Sport nicht als Erstes kommunalen Sparmaßnahmen zum Opfer zu fallen. Brilon: „Dieser erwartete Rückgang ist indes moderater als in anderen freiwilligen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge. So geben zum Beispiel 41 % der Kommunen an, angesichts der finanziellen Lage in den nächsten Jahren kulturelle Angebote reduzieren zu müssen. Das deutet auf eine Tendenz zur politischen Priorisierung des Sportangebots gegenüber anderen freiwilligen Leistungsbereichen auf kommunaler Ebene hin.“ Kommunen sind also prinzipiell bereit, in die freiwillige Leis tung „Sport“ zu investieren – es fehlt nur an den Mitteln. Dabei ist die Investitionsbereitschaft vor allem in größeren Städten deutlich höher als im – teils in deutlich stärkerem Maße vom demografischen Wandel geprägten – ländlichen Raum: 78 % aller Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern planen laut KfW-Befragung aktuell den Bau neuer Sportstätten in den kommenden Jahren – in Kommunen mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern sind es nur 45 %, in Kleinstädten mit 2.000 bis 5.000 Einwohnern sogar nur 9 %. Während Kommunen mit 2.000 bis 5.000 Einwohnern im Schnitt 210.000 Euro für Investitionen in Sportstätten in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen hät ten, liege die Summe bei Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern bei 10,2 Mio. Euro. Allein angesichts dieser erheblichen Investitionsrückstände zeigt sich, dass die Sportmilliarde bestenfalls regionale Impulse setzen kann, den landesweiten Sanierungsstau allein aber nicht beseitigen können wird. Die vergleichsweise kurzen Antragsfristen für den ersten Projektaufruf des SKS-Programms führen zudem dazu, dass hier vor allem kommunale „Schubladenprojekte“ eine Zusage erhalten werden. Und der Blick auf die in der KfW-Befragung abgefragte Bereitschaft für Investitionen in Neubaumaßnahmen legt in diesem Zusammenhang nahe, dass es vor allem größere Städte und Gemeinden seien werden, die sich ohnehin bereits mit entsprechenden Planungsverfahren be fassen. Trotz erhöhter Förderquoten für finanzschwache Kommunen besteht hier somit die Gefahr, dass vor allem der ländliche Raum und strukturschwache Regionen ein Stück weit auf der Strecke bleiben. Befürchtungen, die sich bereits im ersten Förderaufruf bestätigen: So hat sich allein die Bundeshauptstadt Berlin mit insgesamt knapp 40 Projekten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 80 Mio. Euro beworben – und würde sich selbst bei Bewilligung aller eingereichten Projekte immer noch mit einem Sanierungsrückstand von mehr als 320 Mio. Euro konfrontiert sehen. Dass der Bund in diesem Jahr neben einem erhöhten Bundes haushalt zur Spitzensportförderung (2025: 333 Mio. Euro; 2024: 282 Mio. Euro) ebenso hohe Mittel für den Breitensport zur Verfügung stellt, ist einerseits ein wichtiges Signal an die Kommunen und Vereine, auf der anderen Seite angesichts jährlicher – teils unver meidbarer – kommunaler Sportstätten-Investitionen in einer 

Bild: DOSB

Christian Siegel Ressortleiter Sportstätten & Umwelt DOSB

Wir freuen uns grundsätzlich über die vom Bund bereitgestellten Mittel, die einen wichtigen ersten Schritt dar stellen. [...] Erforderlich sind dennoch klare politische Impulse: Entbürokra tisierung der Programme, bessere Einbindung des organisierten Sports und vor allem eine mehrjährige Pla nungssicherheit. Die im Koalitions vertrag angekündigte „Sportmilliarde“ kann hierfür ein entscheidender Hebel sein – allerdings nur, wenn sie als jähr liche, dauerhaft verankerte Investiti onslinie umgesetzt wird. Als

verstetigtes Instrument könnte sie einen echten Strukturbeitrag zum Abbau des Sanie rungsstaus leisten und die Zukunftsfähigkeit der Sportinfrastruktur sichern. Gleichzeitig muss man realistisch bleiben: Der

Das ganze Interview mit Christian Siegel

finden Sie auf S. 16

Bund allein kann diese Aufgabe nicht lösen. Die Hauptverantwortung für Sportstätten liegt bei den Ländern und Kommunen. Der Bund kann hier wichtige Impulse setzen und unter stützen – aber eben als Ergänzung, nicht als Ersatz.

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