Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026
SPORTPOLITIK
gaben im Ganztagsbereich der Schulen, in der Inklusion, der Integ ration und der Gesundheitsförderung. Dafür braucht es verlässliche Strukturen, hauptamtliche Unterstützung und finanzielle Ressour cen – sonst gerät das Ehrenamt an seine Grenzen. Der organisierte Sport darf nicht auf Sondertöpfe angewiesen sein: Es braucht eine dauerhafte sportpolitische Strategie mit fester Verankerung in den kommunalen und staatlichen Haushalten. Sportpolitik muss Teil der Infrastrukturpolitik werden, vergleichbar mit Schulen oder ÖPNV. Die angekündigten Mittel aus der ‚Sportmilliarde‘ sind ein guter Anfang, aber gemessen am tatsächlichen Bedarf vieler Sportvereine eher ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Sport steht hintan Einsparungen im Sport zugunsten kommunaler Pflichtaufgaben sind dabei keineswegs ein Phänomen der vergangenen Jahre, wie ein Blick auf die Entwicklung der letzten 30 Jahre zeigt: Eine ak tuelle Studie des IW Köln belegt, dass die kommunalen Ausgaben für Soziales und Jugend seit 1992 um rund 13 Prozentpunkte auf das 1,5-Fache des Ausgangswertes angestiegen sind, während die Ausgaben für Sport und Gesundheit im selben Zeitraum um 1,9 % Prozentpunkte zurückgegangen sind. So tätigen Kommunen heute rund 37,6 % ihrer Gesamtausgaben im Bereich Soziales und Jugend, während infrastrukturelle Investitionen im Bereich Sportstätten und Bäder nur noch einen Anteil von rund 1,3 % an den Gesamtausgaben einer Kommune halten. Dies entspricht jährlichen Investitionen pro Einwohner in Höhe von 59,22 Euro. Studienautor Dr. Björn Kauder: „Die Ergebnisse zeigen, dass die (inflationsbereinigten) kommunalen Ausgaben pro Einwohner in den 1990er und frühen 2000er Jahren nahezu unverändert blieben. Zwischen 2004 und 2022 erhöhten sich die Ausgaben hingegen um 40 Prozent und zogen in den Jahren 2023 und 2024 nochmals deut lich an. […] In der Zusammensetzung der kommunalen Ausgaben zeigen sich beträchtliche Verschiebungen über die vergangenen 30 Jahre. Die Oberkategorie Soziales und Jugend hat deutlich an Gewicht zugelegt […]. Dies liegt insbesondere am Ausbau der Kinderbetreuung, aber auch am Zuwachs bei den Sozialleistungen. Bedenklich ist vor allem der ebenfalls enorme Zuwachs der Ober kategorie Zentrale Verwaltung, dessen Anteil ebenfalls um rund die Hälfte auf 21 Prozent zulegte. Deutlich rückläufig waren die Ausgeben für die Gestaltung der Umwelt (von 34 auf 20 Prozent), welche beispielsweise den Straßenbau umfassen. Ferner sind die Ausgaben für Zentrale Finanzleistungen deutlich zurückgegangen, worin sich unter anderem die günstige Zinsentwicklungen zeigt. Die Ausgabenanteile für Schule und Kultur sowie Gesundheit und Sport waren ebenfalls rückläufig.“ Hieraus resultiert eine enorme finanzielle Belastung der Kom munen, die 2023 erstmals wieder in einem Defizit gipfelte, das 2024 auf einen Rekordwert von 24,8 Mrd. Euro angestiegen ist. 36 % der Kommunen bezeichneten ihre finanzielle Lage deshalb im vergangenen Jahr als „mangelhaft“. Der Sport fällt dabei gerade in finanzschwachen Kommunen oft hinter kommunale Pflichtauf gaben wie Bildung, Soziales und Verkehrsinfrastruktur zurück.
Bild: dsj
Julian Lagemann Vorstandsmitglied Deutsche Sportjugend (dsj)
Die bundespolitische ‚Sportmilli arde‘ eröffnet erheblichen Spielraum für Infrastruktur und damit für die Um setzung vieler unserer Handlungsemp fehlungen. Unsere Erwartung ist die gezielte Priorisierung von Kinder- und Jugendsport-Bedarfen: Ein Teil der Mit tel sollte explizit für Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe verwendet werden, die unmittelbar Kinder- und Jugendsport fördern – z. B. Schul- und Vereinssportstätten, Schwimmbäder, Schulhöfe und barrierefreie Zugänge. Klar ist aber auch, dass das noch nicht genug ist. Es fehlt auch an Ressourcen für die Sportinfrastruktur im organisierten Sport, sprich Personal im Jugend bereich, die koordinieren, vernetzen und vordenken. Hier ist eine erhebli che Nachbesserung im Kinder- und Jugendplan des Bundes notwendig.
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