Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

SPORTPOLITIK

grammen zu eröffnen, um den Sanierungsstau realitätsnah und wirksam abzubauen. Die Sportmilliarde legt den Fokus vor allem auch auf Maß nahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. Wie ist es nach Ansicht des DOSB um die (bauli che) Barrierefreiheit vieler Sport stätten bestellt und in welchen Bereichen sehen Sie derzeit die größten Defizite? Siegel: Nach Einschätzung des DOSB ist die bauliche Bar rierefreiheit vieler Sportstät ten in Deutschland weiterhin unzureichend. Ein erheblicher Teil der Anlagen ist baulich veraltet, nicht barrierefrei zu gänglich und entspricht weder den Anforderungen inklusiver Sportangebote noch den Er

bedürftige Anlagen belasten hingegen Organisation, Finan zen und Engagementstrukturen der Vereine erheblich. Insbesondere für das ehren amtliche Engagement spielen gute Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Wenn Verei ne dauerhaft mit baulichen Män geln, hohen Betriebskosten oder Unsicherheiten bei der Nutzung ihrer Sportstätten konfrontiert sind, steigt der organisatori sche Druck auf Ehrenamtliche. Nachhaltig sanierte Sportstätten entlasten Vereine im Betrieb und schaffen verlässliche Struktu ren für freiwilliges Engagement und Lebensqualität. Auch für die Mitgliederge winnung und -bindung sind zeit gemäße und somit einladende Sportstätten entscheidend. At

Bild: DOSB

wartungen einer älter werdenden Gesellschaft. Barrierefreiheit wurde in der Vergangenheit bei Planung und Sanierung häufig nachrangig behan delt und ist heute Teil des allgemeinen Sanierungsstaus. „SPORT UND BEWEGUNG SIND EIN RELEVANTER STANDORTFAKTOR“ Die größten Defizite sehen wir insbesondere bei Zugängen und Erschließung, etwa fehlenden stu fenlosen Eingängen, ungeeigneten Umkleiden und Sanitärbereichen so wie unzureichenden Zuschauer und Aufenthaltsbereichen für Menschen mit Behinderungen. Hinzu kommen funkti onale Einschränkungen wie mangelnde Orientierung, fehlende Leitsysteme oder nicht barrierefreie Nebenräume, die eine gleichberechtigte Nutzung erschweren oder verhindern.

Vor diesem Hintergrund bewertet der DOSB den Fokus der Sportmilli arde auf Barrierefreiheit ausdrück lich positiv. Entscheidend ist jedoch, dass entsprechende Maßnahmen nicht isoliert betrachtet werden, sondern integraler Bestandteil einer umfassen den Sanierung und Modernisierung sind. Barrierefreiheit ist kein Zusatz, sondern ein zentrales Qualitätsmerk mal zukunftsfähiger Sportstätten – im Sinne von Inklusion, Teilhabe und Gemeinwohlorientierung. Wie eng sind aus Ihrer Sicht die nachhaltige Entwicklung von Sport stätten und die Zukunftsfähigkeit der Vereine miteinander verknüpft – ins besondere im Blick auf ehrenamtliches Engagement, Mitgliedergewinnung und finanzielle Stabilität? Siegel: Aus meiner Sicht sind die nachhaltige Entwicklung von Sport stätten und die Zukunftsfähigkeit der Vereine eng miteinander verknüpft. Moderne, funktionstüchtige und nach haltige Sportstätten sind eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Vereine ihre gesellschaftliche Rolle dauerhaft erfül len können. Veraltete oder sanierungs

traktive, barrierefreie und klimafeste Anlagen erhöhen die Zugänglichkeit, verbessern die Nutzungsqualität und stärken die Identifikation mit dem Ver ein – gerade für Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Analysen wie der Sportent wicklungsbericht, dass der Zustand vieler Sportanlagen inzwischen zu den zentralen strukturellen Herausforde rungen der Vereine gehört. Veraltete Infrastruktur und fehlende Sportflächen begrenzen vielerorts die Entwicklungs möglichkeiten der Vereine – mit der Folge, dass Wartelisten entstehen und insbesondere Kinder teilweise keinen Platz im Vereinssport finden. Nicht zuletzt wirkt sich die bauli che Qualität direkt auf die finanzielle Stabilität der Vereine aus. Energetisch ineffiziente Anlagen verursachen hohe laufende Kosten und binden Mittel, die für Sportangebote, Nachwuchsarbeit oder Qualifizierung fehlen. Investitio nen in nachhaltige Sportstätten sind daher keine Zusatzaufgabe, sondern eine grundlegende Voraussetzung für wirtschaftlich stabile, attraktive und zukunftsfähige Vereine. 

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