Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

SPORTPOLITIK

„EIN GUTER GRUNDSTEIN, AUF DEM AUFGEBAUT WERDEN KANN“ Im Interview spricht Benedikt Ewald, Vorstand Sportentwicklung beim Deutschen Behindertensportverband (DBS), über die Barrierefreiheit der deutschen Sportstättenlandschaft und die Chancen der Sportmilliarde.

Neben Maßnahmen zur baulichen und energetischen Optimierung ist vor allem die Verbesserung der Barrierefrei heit ein wichtiger Punkt im aktuellen SKS-Programm, der sich – bei Übererfül lung der Anforderungen – sogar positiv auf eine Förderbewilligung auswirken kann. Bietet die Sportmilliarde eine historische Chance, Barrieren im deut schen Sport nachhaltig abzubauen? Ewald: Zunächst einmal ist es positiv zu bewerten, dass es ein För derprogramm gibt – und vor allem, dass innerhalb des Programmes die Barrierefreiheit einen so großen Stel lenwert hat. Das zeigt, dass unsere Bemühungen zu mehr Teilhabe und Abbau von Barrieren Früchte tragen. Das ist zugleich auch eine Chance und ein guter Grundstein, auf dem aufgebaut werden kann. Um von einer „historischen Chance“ zu sprechen, müsste das Förderprogramm deutlich größer dimensioniert sein, um den Investi tionsrückstand von 12,9 Mrd. Euro in den Kommunen aufzuholen, von dem das KfW-Kommualpanel ausgeht. Besonders bedauerlich ist dabei, dass Vereine für ihre Sportstätten nicht di rekt antragsberechtigt sind, sondern nur die Kommunen. Wie ist es allgemein um die Bar rierefreiheit der deutschen Sport stättenlandschaft bestellt? Welche regionalen Unterschiede können Sie hier festmachen? Ewald: Als Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen merken wir, dass die Bedarfe wei

Ewald: Die Ausgestaltung sehe ich kritisch: Innerhalb des Programms wird lediglich auf den Leitfaden „bar rierefreies Bauen“ des Bundes als Orientierung verwiesen. Hier feh len allerdings noch die spezifischen Kriterien für Sportstätten. Wir wün schen uns, dass die Förderkriterien zur Barrierefreiheit für Sportstätten noch klarer definiert werden. Hierfür stehen wir als Verband sehr gerne beratend zur Seite – gemeinsam mit einem Forschungsteam der Ruhr-Uni Bochum, das bereits viele neue As pekte und Kriterien der barrierefreien Sportstätten herausgestellt hat. Barrieren können nicht nur bauli cher Natur sein. Inwieweit bedarf es Ihrer Ansicht nach einer Ausweitung des Begriffs „Barrierefreiheit“ hin zu „inklu siver Infrastruktur“? Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang die frühzeitige Einbindung von Menschen mit Behinde rung und Behindertensportverbänden? Ewald: Der Abbau von baulichen Barrieren stellt eine Grundvorausset zung dar, um Menschen mit körperli chen und geistigen Beeinträchtigungen den Zugang zum Sport zu ermöglichen. Darüber hinaus müssen mit Blick auf die verschiedenen Behinderungen zusätzliche akustische, taktile und visuelle Informationsquellen sowie Informationen in leichter Sprache in den Fokus rücken. Neben den baulichen Barrieren können zudem kommunikative und aufgabenbezogene Barrieren die Teil habe von Menschen mit Behinderung einschränken. Manchmal sind es auch

Bild: DBS

Benedikt Ewald

terhin nur langsam erkannt werden. Denn tatsächlich gibt es leider keine belastbaren Zahlen über die konkrete Barrierefreiheit von Sportstätten. Es kann jedoch durch den erheblichen Investitionsrückstand davon ausge gangen werden, dass in punkto Barri erefreiheit viele Sportstätten schlecht aufgestellt sind. Neben Leitlinien und DIN-Normen fehlt hier noch ein stan dardisiertes Prüfsystem. Aus anderen Bereichen des öffentlichen Lebens wissen wir auch, dass die Barrierefrei heit allgemein in Ballungszentren eher gegeben ist als in ländlichen Struktu ren. Was natürlich damit zu tun hat, dass rein statistisch in Ballungszentren naturgemäß die Zahl der Menschen mit Behinderungen höher ist. Wie bewerten Sie die Ausgestaltung des aktuellen Förderaufrufs zum neuen SKS-Programm und die darin enthalte nen Förderkriterien zur Barrierefreiheit? Welche Anpassungen würden Sie sich für künftige Projektaufrufe wünschen?

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