Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

SPORTPOLITIK

WIE EFFEKTIV IST STAATLICHE SPORTFÖRDERUNG? Mit der Sportmilliarde und dem Sondervermögen investiert der Bund so viel in den Breitensport wie lange nicht mehr. Doch woran lässt sich der Erfolg staatlicher Breitensportförderung fest machen?

D as Haushalten mit öffent lichen Geldern benötigt einiges an Fingerspitzen gefühl – nicht selten sind Investitionen des Bundes oder Länder Diskussionsthema in der Öffentlichkeit. Die Effizienz staatlicher Förderung im Allgemeinen und im Speziellen der Sportförderung ist deshalb immer wieder zentrales Thema der Sozial politik. Öffentliche Mittel werden mit der Erwartung investiert, sowohl öko nomische als auch gesellschaftliche Wirkungen zu erzielen. Erfolgreiche Unternehmer haben bei zu tätigenden Investitionen immer auch die Kapital rendite, auch unter dem Anglizismus „Return on Investment“ (ROI) bekannt, im Blick: Eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den finanziellen Erfolg einer unternehmerischen Tätigkeit darstellt – gemessen am eingesetzten Kapital. Doch wie lässt sich der Erfolg einer Investition messen, die nicht in erster Linie wirtschaftliche oder un ternehmerische Interessen verfolgt, sondern vor allem dem Gemeinwohl zugutekommen soll? Hier setzt der sogenannte „Social Return on Investment“ (SROI) an: Der SROI erweitert das Bewertungsspek trum über rein finanzielle Kennzah len hinaus und quantifiziert sowohl materielle als auch immaterielle Wirkungen einer Investition in mo netären Äquivalenten – mit dem Ziel, den gesellschaftlichen Mehrwert von Investitionen sichtbar zu machen und eine umfassendere Entscheidungs grundlage für die öffentliche Mittel vergabe zu schaffen. Hierbei kommt

häufig das sogenannte Risiko- und Schutzfaktorenmodell zum Einsatz, das etwa gesundheitliche und ge sellschaftliche Risiken verschiedener Ereignisse, die Kosten der Ereignisse sowie das reduzierte Risiko für aktive Sportler bewertet. Im Kontext staat licher Sport- und Sportstättenförde rung erlaubt der SROI beispielsweise, Gesundheitsgewinne durch erhöhte physische Aktivität, soziale Effekte durch Vereinsmitgliedschaften und das gemeinsame Sporttreiben oder langfristige Einsparungen im Gesund heitssystem zu berücksichtigen. Im Gegensatz zum ROI, der aus schließlich den direkten finanziellen Ertrag misst, integriert der SROI sowohl direkte als auch indirekte, kurzfristige und langfristige Effekte. Dadurch wird ein umfassenderes Bild der tatsäch lichen Wirkung öffentlicher Investi tionen in den Sport gezeichnet. Die Anwendung des SROI ermöglicht es, den Nutzen staatlicher Sportförderung nicht nur quantitativ zu bewerten, sondern auch strategisch zu steuern, um die gesellschaftliche Wirkung öf fentlicher Mittel zu maximieren. Wirtschaftsfaktor Breitensport „Sport ist in Deutschland ein wich tiger Wirtschaftsfaktor – aufgrund seines Beitrags zur gesamtwirtschaft lichen Leistung durch sportbezoge nen Konsum, durch Investitionen in Bau, Instandhaltung und Betrieb von Sportstätten sowie durch Aufwendun gen für Sponsoring, Werbung und Medienrechte. Zudem bietet er eine

UEFA SROI-Modell: Indikatoren Wirtschaft • Sportstättenentwicklung • Ausgaben der Spieler • Arbeitsplätze Gesellschaft • Bildungsniveau • Teilhabe am Bildungssystem • NEET • Kriminalität • Freiwilligenarbeit/Ehrenamt • Projekte und Programme Gesundheit • Bluthochdruck • Schlaganfälle • Ischämische Herzerkrankungen • Diabetes

• Brustkrebs • Darmkrebs • Demenz

• Osteoporose • Schizophrenie • Depression • Subjektives Wohlbefinden • Sportverletzungen

Vielzahl von Arbeitsplätzen“, so der DFB in seiner 2024 gemeinsam mit dem Handelsblatt Research Institute veröffentlichten SROI-Analyse „Die So zialrendite des Amateurfußballs“, bei der sich die Studienverantwortlichen vor allem auf das 2017 entwickelte UEFA SROI-Modell stützen, das auf insgesamt 23 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Gesundheit basiert.

36 | SPORTPLATZWELT MAGAZIN 1/2026

www.sportplatzwelt.de

Made with FlippingBook - Online Brochure Maker