Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026
SPORTPOLITIK
Staatliche Sportstättenförderung ist somit auch immer eine regionale Konjunkturmaßnahme: Staatlich ge förderte Neubau- oder Sanierungs projekte lösen unmittelbar – etwa im Rahmen geförderter Vereinsprojekte – oder über den Umweg der kom munalen Haushalte teils erhebliche Wertschöpfungseffekte im regionalen – und bei entsprechender Größe des Projekts auch überregional – Sport stättenbau aus. Infrastrukturelle Neubau- und Instandsetzungsmaß nahmen sowie der Sportplatzbetrieb hätten laut der aktuellen DFB-Analyse in der Saison 2018/19 (der Betrach tungszeitraum der Studie) allein für eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 1,3 Mrd. Euro gesorgt. Hinzu kommen Konsumausgaben von Sportlern und deren Eltern, die der DFB allein für die Sportart Fußball auf 4,43 Mrd. Euro beziffert. Dieser ökonomische Wert unterteilt sich vor allem in Ausgaben für Nahrungsmit tel, Erfrischung und Bewirtung (3,5 Mrd. Euro), Sportausrüstung (353 Mio. Euro), Spielbekleidung (315 Mio. Euro), Mitgliedbeiträge und Ausgaben für Trainingseinheiten (154 Mio. Euro) sowie Fahrtkosten (128 Mio. Euro) und administrative Kosten (32,5 Mio. Euro). Insgesamt beziffert der DFB die Investitionen und Ausgaben auf dem Gebiet der Ökonomie mit einem Beitrag in Höhe von 5,73 Mrd. Euro zur gesamtwirtschaftlichen Leistung. Über alle Sportarten und -verbände verteilt belief sich das sportspezifische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2019 auf insgesamt 80,3 Mrd. Euro – das heißt, 4,4 % aller Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland entfielen auf den Sport. Der DFB: „Der sportbezo gene Konsum des Staates betrug 15,5 Mrd. Euro – dies waren rund 2,2 % der staatlichen Konsumausgaben. Hierzu zählen sportbezogene Leistungen der Gebietskörperschaften (Bund, Länder und Gemeinden sowie Sozialversiche rungen), die den Bürger:innen als so ziale Sachleistungen (z. B. im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung)
Staatliche Sportstätten- förderung belebt den regionalen Sportstättenbau.
Bild: Sportplatzwelt
oder als Kollektivkonsum (z. B. Aus gaben für den Schul-, Breiten- und Spitzensport) zur Verfügung gestellt werden.“ Hinzu kommen sportbezoge ne Investitionen für Neubau und Mo dernisierung in Höhe von 9,1 Mrd. Euro, Ausrüstungsinvestitionen in Höhe von 1,1 Mrd. Euro und sportspezifische Exporte bzw. Importe in Höhe von 6,3 Mrd. bzw. 28,3 Mrd. Euro. 2,7 % aller Erwerbstätigen waren 2019 im Bereich „Sport“ beschäftigt. Insgesamt leistet der Sport somit einen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt in Höhe von rund 2,3 %. Dass das regelmäßige Sporttreiben eine wesentliche Präventionsmaßnah me gegen Herz-Kreislauf-Erkrankun gen, Diabetes, Krebs und psychische Krankheiten darstellt, sollte jedem klar sein. Klar ist auch: Wer sich regelmäßig sportlich betätigt, senkt die Wahr scheinlichkeit einer Erkrankung und sorgt somit für reale Einsparungen im Gesundheitssektor. Wie hoch diese Ein sparungen ausfallen, ist wiederum Teil der SROI-Analyse und oben erwähnten Risiko- und Schutzfaktorenmodells. Der DFB beziffert die durch aktive Fuß ballerinnen und Fußballer erzielten Einsparungen im Gesundheitssektor Breitensport entlastet Gesundheitssysteme
auf insgesamt 5,6 Mrd. Euro: „Ge messen an den Gesamtausgaben im deutschen Gesundheitssystem ist dies mehr als ein Prozent. Fußballspielen dämpft den Anstieg der Gesundheits ausgaben. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft sollte dieser Beitrag nicht gering geschätzt werden. Wenn es insbesondere gelingt, dass die geburtenstarken Babyboomer auch als ‚Alte Herren‘ bzw. ‚Alte Damen‘ weiter regelmäßig Fußball spielen, könnte das Ausgabenwachstum in noch stärkerem Maße abgeschwächt werden. Ein positiver Effekt, der in der monetären Bewertung der Krankheits prävention nicht enthalten ist, ist der verhinderte Verlust an individueller Lebensqualität, wenn man von einer Krankheit nicht betroffen ist. Auch im Gesundheitssektor stellen die Ergeb nisse daher nur eine Untergrenze des Wohlfahrtsgewinns dar.“ Demgegenüber steht ein mit der aktiven Sportausübung verbundenes erhöhtes Verletzungsrisiko, das an dieser Stelle gegengerechnet werden muss: Wer aktiv Sport treibt, senkt zwar das Risiko für oben genann te Erkrankungen, steigert aber sein Risiko für Sportverletzungen, was wiederum mit Ausgaben im Gesund heitssektor einhergeht. Das vom DFB genutzte UEFA SROI-Modell beziffert die Kosten durch die Behandlung
SPORTPLATZWELT MAGAZIN 1/2026 | 37
www.sportplatzwelt.de
Made with FlippingBook - Online Brochure Maker