Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

MITGLIEDER & EHRENAMT

im Gesamtvorstand, Stimmrecht für Jugendliche in der Hauptversamm lung, Jugendvorstand/-ausschuss) – Tendenz sinkend. Das fluide Ehrenamt Der größte Hemmschuh für ehren amtliches Engagement ist der Faktor Zeit. Dies geht aus den Ergebnissen des 6. FWS klar hervor: 62 % der Be fragten geben zeitliche Faktoren als häufigsten Grund für die Beendigung ihres Engagements an – gefolgt von gesundheitlichen Gründen (32 %) so wie dem Wunsch, keine Verpflichtun gen mehr eingehen zu wollen (31 %). Vor allem junge Menschen sehen sich hierbei mit teils erheblichen termin lichen Problemen konfrontiert: „Bei Schülerinnen und Schülern, Auszu bildenden und Studierenden zählen mit 80 Prozent die Anforderungen von Schule und Ausbildung zu den häufigsten Gründen, aus denen sie ihre freiwillige Tätigkeit einschränken oder beenden wollen.“ „Fluide“ Engagementstrukturen werden daher künftig eine immer wichtigere Rolle spielen: Kurzfristi ge, projektbezogene Engagements, die sich wesentlich besser mit der heutigen Lebensrealität freiwillig En gagierter (und vor allem junger Ehren amtlicher) in Einklang bringen lassen. Die laut SEB neben den derzeit rund 2 Mio. Ehrenamtlichen in Sportvereinen mehr als 6,5 Mio. Menschen, die sich zumindest sporadisch ehrenamtlich engagieren, zeugen vom erheblichen Potenzial des „fluiden“ Ehrenamts. Christina Fries, Direktorin der Füh rungs-Akademie des Deutschen Olym pischen Sportbunds (DOSB): „Eine der Hauptursachen für den Rückgang des ehrenamtlichen Engagements in Sportvereinen und -verbänden ist der gesellschaftliche Wandel. Viele Menschen haben heute durch be rufliche Anforderungen, steigende Flexibilitätserwartungen und familiäre Verpflichtungen weniger Zeit für ein langfristiges Engagement. Zudem

haben sich die Erwartungen an das Ehrenamt verändert: Viele Interessier te möchten sich lieber projektbezogen und zeitlich begrenzt engagieren, anstatt dauerhaft eine feste Funktion zu übernehmen. Gleichzeitig werden die Anforderungen an ehrenamtliche Tätigkeiten immer komplexer, etwa durch steigende bürokratische Hür den und rechtliche Verantwortung, was potenzielle Engagierte abschre cken kann.“ Das Ehrenamt müsse hier teils „neu gedacht“ werden und sich stärker an den veränderten Lebens realitäten der Menschen orientieren: „Hybride Beteiligungsformen, flexib le Aufgabenverteilung und niedrig schwellige Einstiegsmöglichkeiten können helfen, mehr Menschen für ein Engagement zu gewinnen und langfristig an den Verein zu binden.“ Nicht zuletzt spiele aber auch der demografische Wandel eine Rolle, wie Fries erklärt: „In vielen Regionen • 28,4 % der Menschen mit Migrations hintergrund sind freiwillig engagiert; Tendenz im Gegensatz zu Menschen ohne Migrationshintergrund steigend • 41 % der Nicht-Engagierten sind of fen für Engagements in den nächs ten 12 Monaten Kernaussagen des 6. FWS • 36,7 % der Bevölkerung ab 14 Jahren sind freiwillig engagiert (rund 26,97 Mio. Menschen) • Freiwillig Engagierte investierten im Jahr 2024 mehr Zeit in ihre freiwillige Tätigkeit als in vorigen Erhebungen • Auch die Häufigkeit freiwilliger Tätig keiten hat sich erhöht • Hohe Beständigkeit: 70 % der Eh renamtlichen wollen ihr Engagement langfristig fortsetzen • Engagementbeteiligung ist in jüngeren Altersgruppen am höchsten • Frauen und Männer sind gleichhäufig engagiert • Ehrenamtliches Engagement wächst mit dem Grad der Schulbildung

gibt es weniger junge Menschen, die für eine ehrenamtliche Tätigkeit ge wonnen werden können. Um dem entgegenzuwirken, müssen Sportver eine und -verbände neue Formen der Beteiligung entwickeln, flexiblere En gagementmodelle anbieten und ehren amtliche Arbeit stärker wertschätzen.“ Ob sich solche „fluiden“ Struktu ren, in anderen Bereichen des ehren amtlichen Engagements bereits gang und gäbe, auch für die Kompensation fehlender Ehrenamtlicher im Sport eignen, bleibt angesichts der in vielen Bereichen der Vereinsarbeit benötig ten Qualifikationen fraglich. Holze: „Gesamtgesellschaftlich können wir beobachten: Kurzfristiges sowie pro jektbezogenes Engagement ist weit verbreitet und erfreut sich immer grö ßerer Beliebtheit. Was im organisier ten Sport vor allem fehlt und was im Breitensport gebraucht wird, sind die klassischen Ehrenämter, das heißt  • „Zeitliche Faktoren“ sind mit 62 % der meistgenannte Grund für die Beendi gung eines Engagements • Freiwillig Engagierte üben oft mehr als eine freiwillige Tätigkeit aus (durch schnittlich 1,8) • Wie immer ist der Bereich „Sport und Bewegung“ der größte Engagement bereich (13 %) • 49 % der freiwillig Engagierten üben ihre Tätigkeit in einem Verein aus • 26 % der Engagierten finden sich in Leitungs- oder Vorstandsfunktionen • 86 % der Engagierten nutzen im Rahmen ihrer Tätigkeit digitale Anwendungen • Das Engagement im ländlichen Raum (38,4 %) ist höher als im städtischen Raum (35,8 %) • In allen Bundesländern sind mehr als 30 % der Einwohner freiwillig engagiert

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