Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

MITGLIEDER & EHRENAMT

2019 lagen diese Anteile bei 22 Prozent und 16 Prozent.“ Hinzu kommt: 48 % der Engagierten haben ihre Tätigkeit im Jahr 2024 einmal pro Woche oder häufiger ausgeübt, 2019 lag dieser Anteil noch bei 42 %. Unter Berücksichtigung der Tat sache, dass zeitliche Faktoren der häufigste Grund für die Beendigung eines Engagements sind, gilt es hier vor allem, bestehende Ehrenamtli che in ihrer täglichen Arbeit zu ent lasten. Fries: „Um den steigenden Anforderungen an ehrenamtliche MitarbeiterInnen gerecht zu werden, müssen Sportvereine und -verbände flexiblere und modernere Strukturen entwickeln. Ein zentraler Ansatz ist die Entlastung der Ehrenamtlichen durch eine gezielte Professionali sierung, z. B. durch den verstärkten Einsatz von hauptamtlichen Kräften in administrativen Bereichen oder digitale Lösungen zur Vereinfachung von Verwaltungsaufgaben.“ Hierfür hält der Markt bereits zahlreiche, speziell auf die Bedürf nisse von Vereinen zugeschnittene Softwarelösunge bereit. Dennoch erfordere die Implementierung sol cher digitalen Strukturen einiges an Fingerspitzengefühl, wie Holze erklärt: „Die Digitalisierung bietet in diesem Zusammenhang natürlich Chancen für Engagement und Ehren amt, sie ist jedoch kein ‚Selbstläufer‘. Der Begriff ist zwar in aller Munde, wird jedoch oft sehr unterschiedlich verstanden. Außerdem verknüpfen Menschen damit nicht nur positive Emotionen, sondern ggf. auch die Angst vor Veränderung und Überfor derung.“ Mit der bloßen Einführung digitaler Tools sei es deshalb nicht getan: „Damit Ehrenamtliche und Engagierte in Sportvereinen digita le Lösungen für ihre Arbeit nutzen können, braucht es u. a. Qualifi zierungs- und Beratungsangebote, Fördermittel für die technische Aus stattung oder für die Entwicklung von passenden Software-Lösungen. Und schließlich auch Begleitung und

Unterstützung bei diesen großen Veränderungsprozessen (Stichwort: Change Management).“ So sehr eine weitestgehend auto matisierte Finanzbuchhaltung oder Vereinsverwaltung bestehende Eh renamtliche auch entlastet – neue Ehrenamtliche wird sie wohl kaum in den Verein locken. Die kommunikati ven Features vieler Softwarelösungen für Sportvereine sowie die Online-Prä senz auf der Vereinswebsite oder in sozialen Netzwerken sind deshalb keinesfalls zu unterschätzen, wie auch Jutta Katthage vom Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp) in einem Gastbeitrag bei Sportplatzwelt erklärt: „Digitale Medien können vor allem in der Ansprache und Gewinnung von potenziellen Neu-Engagierten eine Rolle spielen. Beispielsweise bieten Werbekampagnen über soziale Medien wie Facebook oder Instagram eine Chance, die Bekanntheit von Vereinen zu steigern und über Möglichkeiten der Mitwirkung zu informieren.“ Je gezielter sich der Verein dabei als „regionale Marke“ präsentiert – mit klarem Leitbild und einer klaren Ab grenzung zu anderen Vereinen in der Region – desto erfolgversprechender sind solche Kampagnen. Hauptamt stärkt Ehrenamt Eine wesentliche Herausforderung, die allerdings mit solchen umfassen den Transformationsprozessen und dem Trend zu flexibleren Strukturen einhergeht, ist die Koordination. Mag es in „besser betuchten“ großen Ver einen noch gelingen, den Mangel an ehrenamtlichen Funktionsträgern durch das Hauptamt bzw. zusätzli

Ratgeber: Menschen für Engagement begeistern

Der Ratgeber der Deutschen Stif tung für Engagement und Ehren amt (DSEE) gibt Einblicke in gute Praxis, zeigt Wege und Strategien auf und ermutigt dazu, Bestehen des zu hinterfragen und Neues auszuprobieren.

che hauptamtliche Stellen abzufe dern, braucht es vor allem für kleinere Vereine ohne entsprechende Stellen eine zentrale Anlaufstelle, die an ei nem Engagement Interessierte und die nach Ehrenamtlichen suchenden Vereine zusammenbringt – und bei allen Anliegen beratend unterstützt. Eine mögliche Lösung für diese Her ausforderung bietet das 2020 initiierte Projekt „Hauptamt stärkt Ehrenamt“ des Deutschen Landkreistags und der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), im Rahmen dessen in 18 Verbundlandkreisen eine hauptamtliche Ehrenamtsförderung auf Landkreisebene installiert wur de. Das Ergebnis: Eine hauptamtliche Einrichtung zur Ehrenamtsförderung kann erheblich dazu beitragen, der Ehrenamtskrise im betroffenen Land kreis Herr zu werden – insofern sie 

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