Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

MITGLIEDER & EHRENAMT

„EINE STRATEGISCHE ÜBERLEBENSFRAGE“

Im Interview spricht Frederick Humcke, Vorstand der TG Herford, über das Projekt „Vereinsheld 2025 – Unsere Zukunft ist Ehrenamt“ – und wie der Breitensportverein aus Nordrhein-Westfalen damit das Ehrenamt langfristig stärken will.

Welche zentralen Maßnahmen des Projekts stärken die Vereinsstruktur und das Ehrenamt in Ihrem Verein langfristig? Humcke: „Vereinsheld 2025“ ist keine klassische Veranstaltungsreihe, sondern eine strategische Weiterent wicklung unseres Ehrenamtsverständ nisses. Der konkrete Auslöser war eine besondere Wachstumssituation unseres Vereins: Durch die Übernah me von Trägerschaften im offenen Ganztag an drei Schulen standen wir als Vorstand vor neuen organisatori schen Herausforderungen. In dieser Phase erhielten wir aus den Fachab teilungen die Rückmeldung, dass wir nicht mehr in der bisherigen Intensität präsent seien. Diese Situation war keine Eh renamtskrise im klassischen Sie, sondern ein Impuls zur Weiterent wicklung. Wir haben erkannt, dass wir das Ehrenamt strukturell stärken, sichtbarer wertschätze und langfris tig entwickeln müssen. Das Projekt basiert auf einem ganz heitlichen Sechs-Säulen-Modell, das in seiner Gesamtheit wirkt (siehe In fokasten). Insgesamt wurden über alle sechs Säulen hinweg im Jahr 2025 nahezu 40 Veranstaltungen und Maß nahmen umgesetzt. Unser Ziel ist es jedoch nicht, dauerhaft auf dieser Frequenz zu arbeiten, sondern die Struktur nachhaltig zu verankern und mit angepasster Intensität langfristig fortzuführen. Langfristig denken wir nicht in Projektzyklen von einem Jahr, sondern von 10 bis 15 Jahren.

wurden auch strukturelle Verände rungen, etwa in Richtung stärkerer Jugendpartizipation, angestoßen. Das Verhältnis zwischen Jugend und Vorstand hat sich grundlegend verän dert: Es gibt heute einen direkten Draht, regelmäßigen Austausch und ein deut lich besseres gegenseitiges Verständnis. Multiplikation bedeutet für uns, dass Jugendliche Jugendliche errei chen – auf Augenhöhe, authentisch und nachhaltig. Unsere „NextGen Heroes“ tragen Botschaften und Ent wicklungsmöglichkeiten direkt in ihre Altersgruppe hinein. Das Stipendium sowie gezielte Qualifizierungsangebo te zeigen jungen Menschen konkrete Entwicklungspfade auf. Dadurch ist ein deutlich größerer Pool an engagierten jungen Menschen entstanden, der zuvor in dieser Form nicht vorhanden war. Humcke: Die größte Herausforde rung war eindeutig die Kombination aus finanzieller Belastung und orga nisatorischem Aufwand. Das Projekt war deutlich kostenintensiver als ur sprünglich kalkuliert. Das zusätzliche Budget war keine Symbolik, sondern zwingend notwendig. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass Investitionen in Ehrenamtsförderung unmittelbare Wirkung entfalten. Die Organisation von rund 40 Ver anstaltungen und Maßnahmen pa rallel zum regulären Vereinsbetrieb war anspruchsvoll. Insbesondere für hauptamtliche Kräfte bedeutete dies Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Bild: TG Herford

Frederick Humcke

Welche Rolle spielt vor allem die ge zielte Förderung jungen Engagements, wenn es darum geht, das Ehrenamt langfristig zu sichern? Humcke: Junges Ehrenamt ist für uns keine Nachwuchsarbeit – es ist eine strategische Überlebensfrage. Wir beobachten, dass ältere Ehrenamtli che altersbedingt ausscheiden und Menschen im mittleren Alter häufig durch berufliche oder familiäre Ver pflichtungen gebunden sind. Gleich zeitig verändern sich gesellschaftliche Anforderungen und Erwartungshal tungen. Wenn wir Ehrenamt nicht neu denken, verlieren wir langfristig tragende Strukturen. Mit „NextGen Heroes“ haben wir daher einen klaren Schwerpunkt gesetzt: Jugendliche werden früh zeitig und gleichberechtigt in Ent scheidungsprozesse eingebunden, Veranstaltungen werden gemeinsam geplant und strategische Entwick lungsprozesse des Vereins mit Ju gendlichen diskutiert. Perspektivisch

60 | SPORTPLATZWELT MAGAZIN 1/2026

www.sportplatzwelt.de

Made with FlippingBook - Online Brochure Maker