Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026
MITGLIEDER & EHRENAMT
Maßnahmen gegen die Ehrenamtskrise 1)
74,4 %
Entlastung durch gezielte Digitalisierungsmaßnahmen Vermehrte Einstellung hauptamtlicher Beschäftigter
69,2 %
53,9 %
Ansprache neuer Zielgruppen durch innovative Angebote (z.B. eSports) Vermehrt projektbezogene Engagements (fluides Ehrenamt) Fort- und Weiterbildungsbeauftragter im Verein Eigener Ehrenamtsbeauftragter im Verein Bessere Partizipationsmöglichkeiten für Jugendliche Jugendbeauftragter/Jugendrat im Verein Mehr gesellige Formate, Sonderveranstaltungen und Wertschätzung Social-Media- und Online-Kampagnen
46,2 %
33,5 % 33,3 %
23,1 %
20,5 %
18 %
10,2 %
0
10
20
30
40
50
60
70
80
1) Anteil an Vereinen, die die Aussagen mit „Trifft voll zu“ oder „Trifft eher zu“ beantwortet haben.
Quelle: Sportplatzwelt
Probleme bei der Gewinnung und Bindung ehrenamtlich Engagierter haben die befragten Großsportver eine vor allem auf der Vorstandse bene: 20,5 % der befragten Vereine berichten hier von einem Rückgang ehrenamtlichen Engagements – 5,1 % sogar von einem „starken“ Rückgang. Demgegenüber stehen lediglich 10,3 % der befragten Vereine, deren Zahl an ehrenamtlichen Vorständen im ver gangenen Jahr „eher zugenommen“ hat. Die Bindung ehrenamtlicher Platz warte, Hausmeister oder vergleich barer Positionen stellt hingegen in den wenigsten Vereinen ein großes Problem dar: 81,6 % berichten von gleichbleibenden Zahlen, nur 5,3 % von einem geringfügigen Rückgang. Der Vereinsreport 2026 zeigt dabei auch, dass eine Tätigkeit als Trainer oder Übungsleiter weiterhin die be liebteste Einstiegspforte ins ehrenamt liche Engagement darstellt: 17,9 % der befragten Vereine berichten hier von steigenden Zahlen. Doch wie reagieren die Vereine auf die „Ehrenamtskrise“? Während der zunehmende Mangel an ehrenamt lichem Engagement viele kleinere Vereine vor existenzielle Probleme stellt, reagieren die Großsportvereine vor allem mit Transformationspro
zessen, um die Handlungsfähigkeit der Vereinsverwaltung aufrechtzuer halten: 74,4 % der befragten Vereine gaben an, vermehrt hauptamtliche Mitarbeiter einzustellen, um auf den Mangel an ehrenamtlichem Personal zu reagieren – eine Maßnahme, die allerdings eine gewisse Liquidität vo raussetzt und gerade in kleineren Ver einen nur schwerlich umsetzbar sein wird. Wie so oft entpuppt sich auch hier die gezielte Digitalisierung der Vereinsverwaltung als wesentlicher „Rettungsanker“: 69,2 % der befrag ten Vereine gaben an, das Ehrenamt durch gezielte Digitalisierungsmaß nahmen spürbar entlasten zu wollen. Auch Social-Media- bzw. Online-Kam pagnen und ein aussagekräftiger und durchdachter Auftritt im Web stellen für die meisten Vereine (53,9 %) eine wesentliche Maßnahme dar, um auf den Mangel an Ehrenamtlichen zu reagieren – ebenso der Ausbau ge selliger Formate, von Sonderveran staltungen und anderen Formen der Wertschätzung (46,2 %). Trotz des vielfach beschriebenen Nachwuchsproblems im Ehrenamt verfügen allerdings nur 33,5 % der befragten Vereine über einen Ju gendbeauftragten oder Jugendrat und auch bessere Partizipationsmög
lichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene – laut Experten eine der wesentlichen Maßnahmen, um at traktiver auf junge Ehrenamtliche zu wirken – stellen nur in einem Drittel der Vereine (33,3 %) eine wesentliche Maßnahme zur Bewältigung der Eh renamtskrise dar. Auch ein allgemei ner Ehrenamtsbeauftragter, der sich als zentraler Ansprechpartner um die Belange der ehrenamtlich Engagier ten kümmert, ist in nur 23,1 % der Vereine anzutreffen. Die zunehmende Professionalisie rung des Breitensports geht gerade in Großsportvereinen auch mit teils erheblich steigenden Anforderungen an die Qualifikation ehrenamtlicher Mitarbeiter einher – neben den ver schiedenen Trainer- und Übungslei terlizenzen vor allem auch auf der Vorstandsebene. Nichtsdestotrotz spielt die Fort- und Weiterbildung Ehrenamtlicher in den wenigsten Ver einen eine übergeordnete Rolle: Nur 20,5 % der befragten Vereine verfügen derzeit über einen Verantwortlichen im Verein, der sich um die Fort- und Weiterbildung ehrenamtlich Enga gierter kümmert. Als Reaktion auf das rückläufi ge ehrenamtliche Engagement im Breitensport fordern Experten teils
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