Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

MITGLIEDER & EHRENAMT

„WIR STÄRKEN JUNGE SCHIEDSRICHTER“

Im Interview spricht Christian Knöchel vom VfB Eilenburg über die Lage des Schiedsrichterwesens im Amateursport, Nachwuchsprobleme und das innovative Projekt „FAIRpfiffen“.

Was sind die derzeit größten Her ausforderungen bei der Gewinnung von (Nachwuchs-)Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern? Wie knüpft „FAIRpfif fen“ hier an? Die größte Herausforderung ist die fehlende Wertschätzung gegen über jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern. Viele steigen motiviert ein, erleben dann aber früh Kritik, Res pektlosigkeit oder persönliche Angriffe von Zuschauern, Eltern oder sogar Beteiligten am Spiel. Hinzu kommen Unsicherheiten im Umgang mit Kon flikten sowie das Gefühl, mit Fehlern allein gelassen zu werden. „FAIRpfiffen“ setzt genau hier an: Wir stärken junge Schiedsrichte rinnen und Schiedsrichter fachlich und mental, schaffen Rückhalt durch feste Ansprechpartner und geben ihnen Werkzeuge an die Hand, um mit Drucksituationen souverän um zugehen. Ziel ist es, Wertschätzung, Respekt und Sicherheit spürbar zu erhöhen – und damit die Abbruch quote nachhaltig zu senken. Wie wurde das Projekt in der Praxis konkret umgesetzt? Welche Kernmaß nahmen sind entscheidend? Das Projekt basiert auf mehreren ineinandergreifenden Bausteinen: Nachwuchsschiris werden in einem persönlichen Coaching und Mento ring von erfahrenen Schiedsrichtern begleitet, nach den Spielen gibt es Feedback, Reflexion und konkrete Handlungstipps. Technische Unterstüt zung erhalten die Nachwuchsschiris durch ein Einsatz von Headsets mit

Eine zentrale Herausforderung war zunächst die Akzeptanz im Um feld. Nicht alle Beteiligten sahen den Handlungsbedarf oder fühlten sich angesprochen. Hier haben wir bewusst auf Aufklärung, Dialog und klare Kom munikation gesetzt. Eine weitere Herausforderung war der organisatorische und zeitliche Aufwand für Coaching und Begleitung. Dies wurde durch klare Strukturen, feste Ansprechpartner und die Ein bindung mehrerer Ehrenamtlicher im Verein gelöst. Wichtig war außerdem, das Projekt nicht als einmalige Aktion, sondern als festen Bestandteil der Vereinsarbeit zu verankern. Wie bewerten Sie das Endergebnis und inwieweit ist „FAIRpfiffen“ auf an dere Vereine übertragbar? Wir bewerten das Projekt sehr positiv. Die jungen Schiedsrichte rinnen und Schiedsrichter fühlen sich deutlich sicherer, bleiben dem Schiedsrichterwesen länger treu und treten selbstbewusster auf. In einem Umfeld, in dem vielerorts von einer „Schiedsrichterkrise“ gesprochen wird, zeigt „FAIRpfiffen“, dass gezielte Unterstützung, Wertschätzung und klare Haltung Wirkung zeigen. Das Projekt ist bewusst so konzi piert, dass es als Blaupause für an dere Vereine und Sportarten dienen kann: Die Kernprinzipien – Mentoring, Coaching, technische Unterstützung, Umfeldarbeit und klare Werte – lassen sich unabhängig von Sportart und Vereinsgröße übertragen und an lokale Gegebenheiten anpassen. 

Bild: VfB Eilenburg

Christian Knöchel

individuell angepassten Ohrstücken – in Kooperation mit einem regionalen Hörakustiker –, um während der Spiele Rückhalt und unmittelbare Unterstüt zung zu ermöglichen. Zudem veranstalten wir regelmäßig Workshops für das Umfeld und Betei ligte – zur Sensibilisierung von Eltern, Trainern und Vereinsverantwortlichen für respektvollen Umgang, Kommuni kation und Vorbildwirkung. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Präventions arbeit: Wir zeigen klare Haltung gegen Beleidigungen und Mobbing, bieten offene Ansprechstellen bei Vorfällen und bekennen uns als Verein sichtbar zu Fairness und Respekt. Diese Kombination aus fachlicher Begleitung, emotionalem Rückhalt und Umfeldarbeit ist entscheidend, um junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter langfristig zu stärken. Welche besonderen Herausforde rungen gab es im Verlauf des Projekts und wie wurden sie gelöst?

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