Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

DIGITALISIERUNG

WORAN SCHEITERT DIE DIGITALISIERUNG?

Die Digitalisierung gilt als Lösungsansatz für viele aktuelle Herausforderungen im Breitensport. Trotzdem geht es mit der Digitalisierung nur schleppend voran, verschiedene Faktoren können sich hier zur Hürde entwickeln.

D ie digitale Transformati on verspricht dem Brei tensport weitreichende Verbesserungen: Effizi enzsteigerung durch automatisierte Prozesse, optimierte Kommunikation, moderne Außenwirkung, digitale Trai ningsangebote, bessere Mitgliederbin dung und erhöhte Krisenfestigkeit. Die Vorteile scheinen unstrittig – ebenso die Erkenntnis vieler Vereine, dass die Digitalisierung ein zentraler Zu kunftsbaustein ist. Doch obwohl dieses Wissen vorhanden ist, zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild: Der digi tale Wandel kommt im organisierten Breitensport nur schleppend voran. Woran liegt das?

Unzählige Studien belegen, dass sich Vereine der Vorteile digitaler Lösun gen durchaus bewusst sind. So gaben in der FanQ-Studie „Breitensport-Stim mungsbild 2025“, einer umfangreichen Umfrage unter mehr als 20.000 Ver einssportlerinnen und -sportlern, 30,8 % der Befragten an, dass eine zeitgemäße digitale Infrastruktur dabei helfen könn te, mehr Menschen für ihren Verein zu gewinnen – fast gleichauf mit dem Bedarf an vielfältigem Sportangebot (31,8 %). Für die Fähigkeit, neue Mitglie der überhaupt aufnehmen zu können, wird Digitalisierung sogar als drittwich tigste Maßnahme genannt (29,8 %), gleich hinter moderner Ausstattung (68,3 %) und qualifizierten Trainern

(63,3 %). Das Bewusstsein ist also da – doch die Umsetzung bleibt zögerlich. Ressourcenmangel als zentrales Hemmnis Ein Blick auf die 8. und 9. Welle des Sportentwicklungsberichts (SEB) zeigt deutlich, dass fehlende personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen die größte Hürde für die Digitalisie rung darstellen – insbesondere für Kleinstvereine mit weniger als 100 Mitgliedern. Anfangsinvestitionen in Technologien sind oft schwer zu schultern. Fast 40 % der Vereine geben an, dass ihnen die notwendigen Res sourcen fehlen, um die Digitalisierung voranzutreiben. Paradoxerweise gibt eine ähnlich große Gruppe an, dass dies auf sie nicht zutrifft – ein Hinweis auf die strukturelle Heterogenität des organisierten Breitensports. Hinzu kommt: Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Die Einführung neuer Systeme und Prozesse be deutet zusätzliche Arbeit – in einer Vereinslandschaft, in der 71,5 % der Vereinsmitglieder (FanQ-Studie) den Mangel an ehrenamtlichem Engage ment als größte Herausforderung empfinden bzw. die 59 % der Vereine (SEB) die Bindung und Gewinnung ehrenamtlicher als großes (32 %) oder sehr großes (27 %) Problem einstu fen, bis hin zur Existenzbedrohung (17,5 %). Die Arbeitslast ist hoch, die Bereitschaft zur Übernahme digitaler Aufgaben oft gering, insbesondere wenn technologische Kompetenzen fehlen oder Überforderung droht.

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Bild: The Yuri Arcurs Collection – Freepik.com

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