Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026
DIGITALISIERUNG
Hürden für die Digitalisierung im Vereinssport
Nicht absehbare Risiken Strategielosigkeit und Unwissen Fehlende technische Kompetenzen Geringe Relevanz Hohe Anfangsinvestitionen Bewusstes analoges Arbeiten Fehlende Ressourcen
2,95
2,76 2,76
2,70
2,51
2,42
2,28
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
Auf einer Skala von 1 („trifft überhaupt nicht zu“) bis 5 („trifft voll zu“)
Quelle: SEB (8. Welle)
Zwar geben laut SEB (8. Welle) über die Hälfte der Vereine an, dass es ihnen nicht an technischen Kom petenzen mangelt – aber das deckt nicht den Mangel an strategischem Know-how oder Change-Manage ment-Kompetenz ab. Anke Nöcker, Leiterin Bereich Sport beim LSB Ber lin, der sich in seiner jüngsten Sport entwicklungskonferenz auch mit dem Thema generationsübergreifender Sportverein und Digitalisierung be fasst hat: „Die Digitalisierung spielt eine große Rolle in der zukünftigen Vereins- und Verbandsentwicklung. Und davon wird nicht nur die junge Generation profitieren, sondern alle Sporttreibenden und Engagierten. Dennoch tun sich viele Vereine – vor allem solche, die rein ehrenamtlich geführt werden – damit schwer. Ch ange-Prozesse zu planen und umzu setzen ist zeitraubend und manchmal auch nervenaufreibend. Ich weiß, dass viele Landessportbünde dies in der Beratung und Unterstützung von Vereinen aktiv angehen. Wir ha ben dafür ein Kompetenzzentrum zur Vereins- und Verbandsentwicklung ins Leben gerufen, um den diesbe züglichen Dialog mit den Vereinen zu intensivieren und gemeinsam Lö sungen zu erarbeiten.“
Auch die Studie „Digitales Ehren amt? Evolution oder Revolution?“ der Deutschen Stiftung für Ehrenamt und Engagment und der Hochschu le Koblenz benennt vor allem man gelnde personelle Ressourcen als Hemmnis für die Digitalisierung im Breitensport (67,5 % der insgesamt 615 befragten Vereine) – gefolgt von fehlenden Kompetenzen im Verein (47,8 %), der Altersstruktur (46,3 %) sowie zeitlichen (39,8 %) und finan ziellen Ressourcen (28,5 %). Ein wesentliches strukturelles Defizit liegt somit auch in der häufig fehlenden Digitalisierungsstrategie. Der Einsatz digitaler Tools erfolgt meist punktuell, reaktiv oder zufällig – selten eingebettet in ein kohärentes Transformationskonzept. Laut SEB (9. Welle) steigt der Problemdruck in Bezug auf strategische Klarheit zur Entwicklung des Vereins – ein Plus von 5,4 % gegenüber 2020. Ohne klare Zielbilder oder Transformationspfade bleibt Digitalisierung Flickwerk. Dabei steht die Einführung digi taler Instrumente oft auch im Span Strategielosigkeit und Widerstände innerhalb der Organisation
nungsverhältnis zur bestehenden Vereinskultur. Traditionell gewachsene Strukturen, analog ausgerichtete Ab läufe und das dominierende Ehrenamt stehen nicht selten im Widerspruch zu digitalen Arbeitsweisen. Widerstände sind die Folge – weniger aus bösem Willen, sondern aus Sorge vor Kont rollverlust, Veränderungsdruck oder schlicht fehlender Identifikation mit digitalen Prozessen. Auch die 615 in der DSEE-Studie befragten Vereine ga ben an, interne Widerstände im Verein seien in 17,1 % der befragten Vereine ein Hemmnis für die Digitalisierung. Die Altersstruktur im Ehrenamt verschärft dieses Problem: Jüngere Menschen unter 30 Jahren enga gieren sich vorrangig auf der „Aus führungsebene“, also im direkten sportlichen Bezug (SEB 9. Welle); in Bereichen wie Verwaltung, Orga nisation oder strategischer Leitung – wo Digitalisierung angesiedelt ist – fehlen hingegen genau diese jungen Akteure, die technologische Affini tät mitbringen könnten. Die Vereine büßen damit wertvolles Innovati onspotenzial ein. „Gut 14 % der auf der Ausführungsebene engagierten Ehrenamtlichen in den Sportvereinen sind jünger als 30 Jahre. In Berei chen mit direktem sportlichem
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