Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

DIGITALISIERUNG

Bezug scheint somit der Einstieg ins Ehrenamt weiterhin am naheliegendsten zu sein. Allerdings zeigt sich, dass anteilig in allen Bereichen signifikant weniger junge Ehrenamtliche in den Vereinen engagiert waren als noch 2019.“ Hieraus resultiert ein regelrechter Teufelskreis, den es durch gezielte Strategien und Konzepte zu durchbrechen gilt: Der Nachwuchsmangel im Ehrenamt geht oftmals mit einem Mangel an digitalem Know-how in alternden Vereinsstrukturen einher, Digitalisierungsdefizite im Verein werden wiederum zum Hemmnis für junge Menschen, sich in den ansonsten oft ineffizienten, zeitin tensiven und analogen Strukturen zu engagieren. Paradoxerweise sind die Partizipationsmöglichkeiten für Jugendliche in deutschen Breitensportvereinen nach wie vor sehr gering – und Entschei dungen zu Zukunftsstrategien im Verein deshalb meist Sache der Älteren: Laut aktuellem SEB verfügt mit rund 46 % fast die Hälfte aller Sportvereine in Deutschland über keinerlei Möglichkeiten und Angebote der Jugendpartizipation – einerseits bestärkt dies den Nachwuchsmangel, da sich Jugendliche im Verein eventuell nicht wertgeschätzt fühlen, andererseits können die „Digital Natives“ Anregungen und Ideen für Digitalisierungsprojekte so nur schwer einbringen. So zeigt beispielsweise die erwähnte DSEE-Studie, dass Digitalisierungsmaßnahmen bis dato in den meisten Fällen auf die Eigeninitiative von einzelnen Personen zurückzuführen sind (57 % stimmten hier „voll“ oder „eher“ zu) – nur noch übertroffen vom Wunsch nach effizienterem Arbeiten (57,8 % stimmten hier „voll“ oder „eher“ zu). Fehlende Anreize und bürokratische Hürden Auch von außen fehlt es an systematischer Unterstützung. Die FanQ-Studie zeigt deutlich, welche Maßnahmen die Digitali sierung im Verein vorantreiben könnten: Fördergelder (57,8 %), mehr Unterstützung durch öffentliche Stellen (47,7 %), der Abbau bürokratischer Hürden (38,0 %) und professionelle Beratungsan gebote (29,5 %). Diese Zahlen belegen, dass Digitalisierung keine rein interne Herausforderung ist, sondern auch von strukturellen Rahmenbedingungen abhängt. Insbesondere kleinere Vereine fühlen sich von öffentlichen Stellen mit der Transformation allein gelassen. Die zur Verfügung stehenden Fördermittel sind oft projektgebunden, bürokratisch schwer zugänglich oder setzen hohe Eigenanteile voraus – eine hohe Einstiegshürde für ehrenamtlich geführte Organisationen. Beratungs- und Coachingangebote sind rar und häufig kosten pflichtig. Die Folge: Viele Vereine sehen sich außerstande, selbst ständig transformative Prozesse zu initiieren. Hinzu kommt der deutschlandweit nur langsam voranschreitende Breitbandausbau, der vor allem Sportvereine im ländlichen Raum mitunter vor infrastrukturelle Probleme bei der Digitalisierung stellt. Hart umkämpfte staatliche Fördermittel sorgen zudem vermehrt dafür, dass sich Vereine nach anderen Finanzierungs quellen für ihre Digitalisierungsvorhaben umsehen: Die Privat wirtschaft. Immer wieder unterstützen große Unternehmen Vereine in der Region – meist in enger Zusammenarbeit mit den

Bild: SV 1919 Lemberg e.V.

Alexander Beuerle Vorstandsmitglied SV 1919 Lemberg e.V.

„Widerstände gibt es fast immer. Gerade, wenn man eingefahrene Ab läufe verändert. Unser Ansatz war: Wir nehmen die Leute mit, indem wir sie direkt einbinden und zeigen, wie es ihren Alltag erleichtert. Durch die digitalen Mitgliederanträge können so beispielsweise auch die Spielberech tigungen schneller beantragt werden, was allen zu Gute kommt. Natürlich hilft es uns, dass unser Vorstand eher jung ist und digitale Werkzeuge selbst verständlich nutzt. Für uns war die Hemmschwelle niedriger. Aber auch ältere Ehrenamtliche haben schnell gemerkt: Die digitale Lösung nimmt ihnen Arbeit ab, statt neue zu schaffen. Wer heute bei uns im Verein Ver antwortung übernehmen will, sieht, dass er mit modernen Tools arbeiten kann und nicht in alten Strukturen festhängt. Für jüngere Ehrenamtliche ist das oft ein entscheidendes Kriteri um – niemand möchte seine Freizeit damit verbringen, handschriftliche Listen zu pflegen oder Formulare per Post zu verschicken.“

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