Sportplatzwelt MAGAZIN | Ausgabe Nr. 1/2026

DIGITALISIERUNG

zuständigen Landessportbünden. So unterstützt der Chemiekonzern BASF beispielsweise seit 2021 Vereine aus der Metropolregio Rhein-Neckar bei der digitalen Transformation – mit Coachings und Zuschüssen von bis zu 2.000 Euro. Vor allem das praxisnahe Know-how vieler Unternehmen im Bereich digitale Transformation soll te hier nicht geringeschätzt werden. Ein differenziertes Bild Trotz aller Schwierigkeiten zeigen die Studien auch: In gewissen Berei chen ist die Digitalisierung bereits angekommen. Die häufigste Form der digitalen Anwendung ist die Kom munikation, insbesondere per E-Mail, WhatsApp oder Vereins-App. Fast alle Vereine, unabhängig von ihrer Größe, nutzen digitale Tools zur internen und externen Kommunikation – sei es mit Mitgliedern, Ehrenamtlichen oder Partnern (SEB 8. Welle). Dagegen fällt der Einsatz von di gitalen Verwaltungs-, Buchhaltungs- oder Marketingtools deutlich geringer aus – insbesondere bei Kleinstverei nen. Digitale Mitgliederverwaltung, Social Media oder Finanzsoftware kommen vor allem bei mittleren und großen Vereinen zum Einsatz (1.001 bis 2.500 Mitglieder). Noch drastischer ist das Bild bei digitalem Fundrai sing: Zwei Drittel der Vereine nutzen keinerlei Online-Kanäle zur Einnah menerzielung – ein deutliches Zeichen für ungenutztes Potenzial. Gerade in finanziellen Engpässen könnten hier wichtige neue Einnahmequellen erschlossen werden. Dabei zeigt sich klar: Digitalisie rung ist kein Selbstzweck, sondern kann ganz konkret helfen, die drin gendsten Herausforderungen des organisierten Sports zu lösen. So sehen 18,8 % der Befragten in der FanQ-Studie in der Prozessoptimie rung durch Digitalisierung eine Mög lichkeit, das Ehrenamt attraktiver zu gestalten – ein wichtiger Hebel angesichts des massiven Engagement

problems. Gleichzeitig ist der Nutzen digitaler Systeme bei der Bindung und Gewinnung neuer Mitglieder evi dent, etwa durch Online-Buchungs systeme, digitale Kursplanung oder moderne Websites. Dennoch bleibt festzuhalten: Die Digitalisierung im Breitensport scheitert in den meisten Fällen nicht am Wollen, sondern am Können. Es fehlen die strategischen, finanziellen und personellen Grundlagen, um digitale Tools nicht nur zu imple mentieren, sondern nachhaltig zu verankern. Vor allem der strukturelle Rückstand kleinerer Vereine gefähr det langfristig die Chancengleichheit im organisierten Sport. Herausforderung Digitalisierung Parallel hierzu hat die zuneh mende Digitalisierung aller Lebens bereiche auch einen zunehmend wachsenden Markt an Software-Lö sungen für Vereine sowie steigende Anforderungen an die Qualifizierung ehren- und hauptamtlicher Mitarbei ter im Verein zur Folge: Viele Vereine wissen nicht, wo sie mit der Digitali sierung beginnen sollen und finden sich im mittlerweile umfangreichen Software-Markt nur schwer zurecht – 45,9 % der Befragten in der DSEE-Stu die wünschen sich beispielsweise eine detaillierte „Übersicht über digitale Möglichkeiten“. Da die Digitalisierung im Breitensport ein schleichender Prozess ist, an dessen Anfang nicht immer gleich ein voll ausgearbeite tes Digitalisierungskonzept steht, laufen viele Vereine bei der Fülle an verschiedenen Software-Lösungen am Markt zudem Gefahr, sich meh rere Insellösungen heranzuzüchten, die den Verwaltungsprozess im spä teren Verlauf eher verkomplizieren als vereinfachen können, wenn die Interoperabilität verschiedener Soft ware-Lösungen von unterschiedlichen Anbietern nicht gegeben ist. Immer strengere Rahmenbedingungen für den Datenschutz haben indes zur

Werkzeugkasten für einen digitalen Sportverein

In Zusammenarbeit mit der Hoch schule Koblenz und der Deutschen Stiftung für Engagement und Eh renamt (DSEE) hat der Sportbund Rheinland den „Werkzeugkasten Di gitaler Sportverein“ entwickelt, der Vereinen Ansätze und Ideenanstöße sowie Verlinkungen zu hilfreichen Websites liefert, die den Einstieg in den digital aufgestellten Sportver ein erleichtern sollen.

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Folge, dass eine Digitalisierung bei spielsweise der Mitgliederverwaltung ohne fundierte datenschutzrechtliche Kenntnisse oder die Einbindung eines externen Datenschutzbeauftragten (Kostenfaktor!) heutzutage nur noch schwer umsetzbar ist. Die digitale Transformation im Breitensport ist somit keine Frage der Einsicht – sie ist eine Frage der Umsetzbarkeit. Es braucht mehr als App-Lösungen und Kommunikati onsplattformen. Es braucht gezielte Förderprogramme, praktikable Bera tungsangebote, vereinfachte Antrags verfahren und langfristige Strategien – nicht zuletzt auch auf Ebene der Sportverbände und der Politik. Solange die strukturellen Defizite nicht adressiert werden – Ressour cenknappheit, strategische Unsi cherheit, mangelnde technologische Kompetenz –, wird Digitalisierung in vielen Vereinen Stückwerk bleiben. Der Breitensport steht an einem Scheide weg: Entweder gelingt es, die Potenzi ale der Digitalisierung systematisch zu erschließen – oder man riskiert, dass eine ganze Generation von Vereinen digital abgehängt wird. 

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